Südwest Presse: Kommentar zum Klimaschutz
Düstere Vorhersagen haben die Klimaforscher den Regierungen vorgelegt, die auf Bali über Klimaschutz verhandeln. Auf wenn. . ., dann. . . beruhen die Prognosen. Das nährt Zweifel. Der Blick zurück widerlegt jedoch die Skepsis. Der Klimawandel ist voll im Gang.
Es spricht viel mehr dafür, dass er sich beschleunigt. Dies fordert rasches Handeln, denn die Erdatmosphäre reagiert auf ansteigende wie abnehmende Treibhausgas-Emissionen sehr langsam. Die vom Menschen verursachte Klimaänderung beruht vor allem auf der Art, wie wir Energie gewinnen und verbrauchen. Dass dieses Verschleudern zur Neige gehender Ressourcen nicht fortgesetzt werden kann, leuchtet selbst Skeptikern der Prognosen ein. Die Preissteigerungen bei Öl, Gas, Kohle und Uran zeigen, dass sie knapp werden, es immer teurer wird, noch vorhandene Vorräte auszubeuten. Öl und Gas kostet im Vergleich zum Jahr 2000 das Vierfache, für Uranoxid muss das Zwanzigfache bezahlt werden. Selbst Steinkohle ist um 55 Prozent teurer geworden.
Es ist naiv zu glauben, dass diese Preise bei wachsendem Energiehunger sich entwickelnder Staaten wie China, Indien oder Brasilien wieder sinken werden. Im Gegenteil. Das Wirtschaftswachstum ermöglicht es den Staaten, mit den Industrienationen einen knallharten Wettbewerb um Rohstoffe zu führen. Die Alternative ist nicht nur ökonomisch und ökologisch sinnvoller, sondern auch weitaus sozial verträglicher. Energie muss um ein Vielfaches effizienter genutzt werden: In Gebäuden, Produktionsprozessen und im Verkehr. Sie muss aus Quellen gespeist werden, die nicht zu Ende gehen. Volkswirtschaften, die sich diesem Ziel verschreiben und es so rasch wie möglich erreichen, vermeiden nicht nur Verteilungskämpfe um Strom, Wärme und Sprit in ihren Gesellschaften. Sie sichern Industrie, Gewerbe und Handel Märkte, Arbeitsplätze und den Bürgern ihren Lebensstandard. Dass es obendrein noch gelingt, den Anstieg der Temperaturen auf der Erde zu begrenzen, um Dürren, Felsabbrüche, Überschwemmungen, Stürme, den Anstieg des Meeresspiegels, das Abschmelzen der Pole und Gletscher zu verringern, ist ein unschätzbarer Vorteil dieser Energiewende.
Nun streiten die Regierungen auf Bali, wer sich wie stark an dieser Revolution der intelligenten Energienutzung beteiligt. Diesen unaufhaltsamen Prozess den Regeln des Weltmarktes zu überlassen, kann zu lange dauern, zumal die Akteure in der Wirtschaft bei Umsatz und Gewinn auf Quartalszahlen, Politiker auf Umfragen und Wahltermine schielen. Es gilt daher Methoden einzuführen, damit sich Investitionen in erneuerbare Energien, effiziente Maschinen, gut gedämmte Bauten, verbrauchsarme Fahrzeuge überall auf dem Globus lohnen. Anreize und Förderung reichen nicht aus. Bei Fehlentwicklungen, die lange wirken, sind Vorschriften notwendig. Neue Kraftwerke, die nicht auch die Wärme nutzen, dürfen nicht mehr genehmigt werden. Stromnetze, die Schwankungen nicht ausgleichen können, bedürfen des Ausbaus. Wer ein Gebäude errichtet oder saniert, sollte 75 bis 90 Prozent des bisher üblichen Energieverbrauchs einsparen. Beispiele für das Energiesparen gibt es zuhauf, effiziente Techniken werden ständig fortentwickelt. Die mittelständische Wirtschaft ist der Motor dieses Wandels. Die Behörden müssen sie unterstützen, statt sie mit unsinnigen Auflagen oder zu knappen Fördermitteln zu behindern. Dann bleiben Katastrophenszenarien, was sie sind: Prognosen.
Klima Klimaschutz Klimawandel Wetter