Die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel hat die Trauerrede des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger für dessen Amtsvorgänger Hans Filbinger (beide CDU) öffentlich kritisiert.

Sie habe sich gewünscht, “dass neben der Würdigung der großen Lebensleistung von Ministerpräsident Hans Filbinger auch die kritischen Fragen im Zusammenhang mit der Zeit des Nationalsozialismus zur Sprache gekommen wären”, erklärte Merkel in Berlin. Dies gelte insbesondere im Blick auf die Gefühle der Opfer und Betroffenen, habe sie Oettinger in einem Telefongespräch gesagt. (Foto: Axel Schmidt)
Filbinger war während der Nazi-Diktatur als Marinerichter an Todesurteilen beteiligt. Gleichwohl hatte Oettinger in seiner Trauerrede gesagt, der Verstorbene sei “kein Nationalsozialist” gewesen, sondern vielmehr ein “Gegner des Nazi-Regimes”, der sich den Zwängen der damaligen Zeit habe beugen müssen.
Die umstrittenen Passagen der Trauerrede Oettingers sind angeblich nicht spontan entstanden. Berater von Oettinger hätten unterschiedliche Varianten diskutiert, berichtete “Spiegel Online”. Letztlich hätten sich im Stuttgarter Staatsministerium die Konservativen mit dem Lob für Filbingers angebliche Nazi-Gegnerschaft durchgesetzt. Ein “sehr konservativer Mitarbeiter” habe am Ende die Trauerrede geschrieben. (AFP)
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