Die Spannungen zwischen der CSU-Spitze und der Fürther Landrätin Gabriele Pauli halten auch nach dem Münchner Parteitag an.
CSU-Vizechef Horst Seehofer startete zwar am späten Montagabend in der ARD-Talksendung “Beckmann” einen Versuch, die Wogen zu glätten. Pauli reagierte aber bei dem Aufeinandertreffen der beiden Verlierer im Kampf um den CSU-Vorsitz abweisend und kritisierte das Führungspersonal ihrer Partei.
Seehofer lobte zunächst, die Fürther Landrätin sei eine “starke und couragierte Frau mit einer beachtlichen Lebensleistung”. Der Bundesagrarminister betonte zudem: “Ich will, dass Frau Pauli bei uns bleibt.” Allerdings gebe es “ein, zwei Punkte, wo sie selber überlegen muss, was kann sie oder muss sie selber dazu beitragen, dass das Miteinander wieder möglich wird”.
Pauli bestritt jedoch, Fehler im Umgang mit ihrer Partei begangen zu haben. Statt dessen monierte sie mit Blick auf die CSU: “Was ist passiert, dass sich keiner mehr traut zu sagen, was er wirklich denkt - es kann doch nicht sein, dass alle nur noch nach Posten und Ämtern schielen!” Dass ihr am Samstag auf dem Parteitag das Mikrofon abgestellt wurde, “war für mich immer undenkbar in einer demokratischen Partei”.
Die Landrätin betonte ferner, das vom designierten Ministerpräsidenten Günther Beckstein (CSU) angebotene persönliche Gespräch reiche nicht aus: “Mir nützt das eigentlich wenig, wenn er mir etwas unter vier Augen erläutert.” Sie erwarte vielmehr, dass Beckstein öffentlich seine Äußerung erkläre, sie müsse zum Psychiater.
Seehofer warf Pauli daraufhin “Selbstgerechtigkeit” vor. Sie sage “ganz einfach: Ich habe alles richtig gemacht, ich habe nie jemand persönlich in Frage gestellt, ich habe nie jemand persönlich verletzt”. Dies finde er schade.
Der neue CSU-Vorsitzende Erwin Huber berichtete derweil, er sei in der Berliner Koalitionsrunde “sehr freundschaftlich und sehr partnerschaftlich” aufgenommen worden. Er sei sehr beeindruckt von der konstruktiven und zielgerichteten Arbeitsatmosphäre, sagte Huber am Montagabend nach Beratungen des Koalitionsausschusses im Kanzleramt.
Für Huber war es zwei Tage nach seiner Wahl der erste bundespolitische Auftritt im neuen Amt. Er kam zusammen mit CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer ins Kanzleramt. Huber betonte: “Es ist schön, mitzuwirken bei einer erfolgreichen Regierung.” Er wolle an die Arbeit seines Vorgängers Edmund Stoiber “nahtlos” anknüpfen.
Huber bezeichnete es ferner als Auftrag des Parteitages, in der CSU “das Miteinander zu stärken”. Er fügte mit Blick auf Seehofer hinzu: “In der Demokratie gibt es Wahlen, da gibt es einen, der gewinnt, aber nicht einen anderen, der verliert, sondern wir werden miteinander in einer Mannschaftsleistung diese Aufgabe wahrnehmen.” (ddp)
CSU Gabriele Pauli