Horst Seehofer - unter besonderer Beobachtung

2. August 2007 | Von Politics | Kategorie: CSU


Er steht unter besonderer Beobachtung - vor allem der von Frauen. Viele Besucherinnen des Auftritts von Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) im schwäbischen Markt Rettenbach haben am Mittwochabend vor allem ein Thema im Hinterkopf: die Vorwürfe der Ex-Geliebten an den CSU-Vize in einer Illustrierten.

Eingeladen in ein Gasthaus gleich neben der Kirche von Markt Rettenbach hat der CSU-Kreisverband Unterallgäu, um mit dem Landwirtschaftsminister über drängende Fragen des ländlichen Raumes zu diskutieren. Aber bei weitem nicht alle sind wegen dieses Themas im Saal: Sie sei gekommen, um sich “den Seehofer mal aus der Nähe anzuschauen”, berichtet eine Frau, die kein CSU-Mitglied ist. Und sie habe menschliche Züge erkannt, in der Art und Weise, wie er mit dem Wirbel um sein Privatleben umgehe, sagt sie mit Blick auf die Unkonzentriertheit des Ministers.

Seehofer macht an diesem lauen Sommerabend unter zünftiger Begleitung der “Jagdhornbläser Memmingen” in dem randvollen Saal das, was er am besten kann: Er hält einen fachlich versierten Vortrag über die Herausforderungen der bäuerlichen Existenz am Standort Deutschland. Dabei schmeichelt er den rund 200 Landwirten und lässt mit Witz und Ironie doch einen kleinen Blick in seine Seele zu.

“Manchmal bin ich von Freunden regelrecht umzingelt”, sagt der 58-jährige CSU-Vize und macht mehrfach deutlich, dass er es gewohnt sei, auch in der eigenen Partei mit dem Rücken zur Wand zu stehen. Er liebe sein “schönes Amt” als Landwirtschafts- und Verbraucherschutzminister in Berlin. “Auch wenn einige gedacht haben, da könnte man mich gut abstellen”, sagt Seehofer - und der Saal hört die Signale wohl. Konkrete Seitenhiebe auf Parteifreunde aber verkneift sich der Politveteran ebenso wie Aussagen zu seinem Privatleben.

“Ich bin schon durch viele Stahlbäder gegangen und war schon oft in der politischen Aussegnungshalle - da werden sich noch einige wundern”, antwortet Seehofer auf einen Zuruf, wie lange er sein Amt in Berlin denn noch werde ausüben können. Kämpferisch gibt er sich und auf die ihm eigene Art und Weise auch ein wenig selbstverliebt. “Ich habe Zähigkeit und Charme, zumindest bei den Bauern”, schmunzelt der Minister. Der Menschen im Saal lachen mit und scheinen zufrieden.

Angesichts seiner Ambitionen auf den CSU-Vorsitz versäumt es Seehofer aber nicht, zwischen Rinderpass, Milchquote und Genmais auch das christlich-konservative Weltbild seiner Partei zu beschwören. “Ich bin gegen Zeitgeist und Modeerscheinungen”, ruft der Minister und verrät sogleich ein angeblich urbayerisches Erfolgsgeheimnis: “Die anderen die Fehler machen lassen, die man selber unterlässt.”

Allen Schlagzeilen über seine jahrelange Affäre mit der Büroleiterin eines Bundestagsabgeordneten in Berlin zum Trotz kommt der Oberbayer mit den silbergrauen Haaren im Unterallgäu gut an. “Ich schätze seine Klarheit und seine passenden Worte, er ist ein Politiker von Format”, meint ein Landwirt und CSU-Mitglied aus Markt Rettenbach. Doch auch Seehofers Hauptkonkurrent im Kampf um den Parteivorsitz, Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber, wird von der Basis geschätzt. “Der Huber ist rhetorisch nicht so begabt, dafür aber ein echtes Arbeitstier”, meint ein anderer Zuhörer.

Seehofer betont, er sei schon einmal “zwei Jahre in politischer Buße und Rehabilitation gewesen”. Deutlich wird an diesem Abend vor allem eines: Da will er auf keinen Fall wieder hin. (ddp)

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