Kritik an Umgang mit ehemaligen Stasi-Spitzeln

9. Mai 2007 | Von Politics | Kategorie: News


Der Direktor der Gedenkstätte für die Stasi-Opfer in Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, kritisiert den Umgang mit früheren Mitarbeitern des DDR-Überwachungsapparats.

Hier werde in Deutschland mit zweierlei Maß gemessen: Die Kleinen hänge man, die Großen lasse man laufen, sagte Knabe am Mittwoch dem Radiosender MDR Info in Halle.

Anlass für Knabes Kritik ist die aktuelle Debatte um die Stasi-Verstrickung des Präsidenten der Magdeburger Industrie- und Handelskammer, Klaus Hieckmann, der auch Mitglied im Gesprächskreis Ost der Bundesregierung ist. Hieckmann hatte am Wochenende nach entsprechenden Medienberichten eingeräumt, jahrelang für die Stasi als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) gearbeitet zu haben. Er sehe seine IM-Tätigkeit aber nicht als Spitzel-Arbeit und habe ein “gutes Gewissen”.

Knabe gab zu Bedenken, dass Hieckmann als IM Berichte über Kollegen angefertigt habe, die für die Betroffenen höchst gefährlich hätten werden können. Dass Hieckmann wie auch die Landesregierung nun erklärten, er habe niemandem geschadet, sei eine Ausrede.

Eine Regierungssprecherin wies Knabes Vorwurf zurück. Die Landesregierung habe nie behauptet, dass Hieckmann niemandem geschadet habe. Vielmehr habe man sich in dieser Sache gar nicht eingelassen.

Sachsen-Anhalts Landesregierung wusste bereits seit 1999 von Hieckmanns Stasi-Vergangenheit. Damals sollte Hieckmann das Bundesverdienstkreuz bekommen. Nach Eingang einer belastenden Auskunft der Behörde des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen wurde aber davon Abstand genommen. (ddp)

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