Royal und Sarkozy liefern sich harten Schlagabtausch
3. Mai 2007 | Von Politics | Kategorie: NewsIm französischen Präsidentschaftswahlkampf hat das TV-Duell der Sozialistin Ségolène Royal keinen Durchbruch gegen den konservativen Favoriten Nicolas Sarkozy gebracht.

Während die Experten zumeist von einem Unentschieden im teils heftigen Schlagabtausch am Vorabend sprachen, fanden laut einer Umfrage 53 Prozent der Franzosen Sarkozys Auftritt letztlich überzeugender. Rückendeckung bekam Royal allerdings durch den ausgeschiedenen Kandidaten François Bayrou: Er werde bei der Stichwahl am Sonntag definitiv nicht für Sarkozy stimmen, kündigte der Liberale nach der von mehr als 20 Millionen Franzosen verfolgten Debatte an. (Foto: AFP)
Durch Sarkozy drohten “die Risse im sozialen Gefüge verschlimmert zu werden”, sagte der Liberale Bayrou der Zeitung “Le Monde”. Persönlich werde er deshalb nicht Sarkozy wählen. Eine Empfehlung an seine 6,8 Millionen Wähler aus der ersten Runde werde er aber “wahrscheinlich” nicht abgeben.
Die Sozialistin zeigte sich bei der TV-Debatte unerwartet angriffslustig und brachte den sonst als rhetorisch besser geltenden Sarkozy anfangs durch ständige Themenwechsel aus dem Konzept. “Was haben Sie fünf Jahre lang gemacht?”, hielt sie dem langjährigen Vize-Regierungschef vor, der nun für einen Politikwechsel stehen will. “Sie hatten die ganze Macht! Sie sind nicht glaubwürdig.” Sarkozy kritisierte seinerseits in der zwei Stunden und 40 Minuten dauernden Debatte, Royal hülle sich zur Finanzierung ihres milliardenteuren Wahlprogramms in Schweigen. Beide bekräftigten ihre widerstreitenden Positionen zur 35-Stunden-Woche, die Sarkozy aufweichen will.
Zum Eklat kam es, als Sarkozy die Einführung eines Rechts behinderter Kinder auf Einschulung in Regel-Schulen vortrug. “Das ist der Gipfel der politischen Unmoral”, empörte sich Royal. Sarkozys Regierung sei es gewesen, die ein von ihr als Schulministerin eingeführtes Fördersystem für behinderte Schulkinder abgeschafft habe. Sarkozy entgegnete, Royal habe “die Nerven verloren”. Ein Staatspräsident müsse gelassen bleiben. “Nein, ich verliere nicht die Nerven, ich bin wütend”, sagte Royal. Es gebe “sehr gesunde Wutausbrüche”.
Sarkozy und Royal hätten vor allem ihre eigene Wählerschaft überzeugt, sagte der Kommunikationsexperte Thierry Vedel. “Es ist sinnlos, nach dem Gewinner zu fragen: Wer für Sarkozy ist, wird ihn zum Sieger erklären und umgekehrt.” (AFP)