Pariser TV-Duell: Royal kontra Sarkozy
3. Mai 2007 | Von Politics | Kategorie: NewsAllg. Zeitung Mainz: Kommentar zum Pariser TV-Duell
Royal kontra Sarkozy, das war Florett mit scharfer Klinge und zwischendurch immer mal wieder schwerer Säbel. Das Fernsehduell zwischen den beiden Bewerbern um das französische Staatspräsidentenamt bot allerdings auch ein gutes Stück Geschlechterkampf:
Hier der elitäre Technokrat, kühl und kopfbestimmt, ehrgeizig bis ins Mark und im Zweifelsfall auf Erfahrung pochend; dort die nicht minder ausstaffierte und ambitionierte, zusätzlich mit einem hohen Maß an emotionaler Intelligenz streitende Kontrahentin, die es nicht bei messerscharfen Argumenten allein beließ, sondern auch noch gezielt einen Gefühlsausbruch hinlegte.
Das französische Fernsehpublikum, mutmaßlich mehr als 20 Millionen Zuschauer haben vor dem Bildschirm gesessen, bekam jedenfalls ein spannendes Spektakel geboten, das stilistisch imponierend und obendrein hoch unterhaltsam war. Viele Experten im Nachbarland vergaben danach den Punktsieg an Sarkozy. Das kann sein. Allerdings bleibt die Frage offen, ob die Franzosen sich im entscheidenden Wahlgang am kommenden Sonntag daran auch orientieren. Fraglich ist auch, für wen der in der ersten Runde ausgeschiedene Zentrums-Kandidat Bayrou eine offizielle Wahlempfehlung abgeben wird; und ob überhaupt. Sein Gefolge neigt zu Sarkozy. Deutschland wird die Entscheidung im wichtigsten Partnerland nehmen, wie sie fällt.
Bundeskanzlerin Merkel, von Jaques Chirac rundum verwöhnt, wird wohl eher mit männlicher Kontinuität an der Spitze der Grande Nation liebäugeln, aber auch sie hat, wie alle Deutschen, keinen Einfluss auf das Votum der Franzosen. Sie konnte sich gestern ganz darauf konzentrieren, den Grand Charmeur bei dessen offiziellem Abschiedsbesuch in Berlin nicht nur protokollgemäß zu empfangen, sondern dem geschätzten Gesprächspartner mit kleinen Aufmerksamkeiten auch die besondere Wertschätzung zu signalisieren, die nicht nur der Staatsmann, sondern ebenso ausgeprägt der Mensch Jaques Chirac in Deutschland genießt. Adieu, Monsieur le President!