Ludwig Erhard war angeblich nie Mitglied der CDU
26. April 2007 | Von Politics | Kategorie: CDULudwig Erhard, der Vater des deutschen Wirtschaftswunders, war angeblich nie Mitglied der CDU. Der Geschäftsführer der Bonner Ludwig-Erhard-Stiftung, Horst Friedrich Wünsche, sagte dem “Stern”: “Seit über 30 Jahren beschäftige ich mich hauptberuflich mit Ludwig Erhard, und ich sage Ihnen: Erhard ist niemals einer Partei beigetreten.”

Günter Buchstab, der als Leiter des wissenschaftlichen Dienstes der Konrad-Adenauer-Stiftung, das CDU-Parteiarchiv verwaltet, bestätigte, dass sich die Mitgliedschaft “aktenmäßig nicht nachvollziehen” lasse. Seines Wissens habe Erhard an die CDU auch “keine Beiträge gezahlt”. (Foto: Klaus Rose)
Ludwig Erhard, neben Konrad Adenauer die zweite große Symbolfigur der CDU in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik, saß 28 Jahre für die Christdemokraten im Bundestag. Von 1949 bis 1963 war er Wirtschaftsminister und von 1963 bis 1966 Bundeskanzler. Von 1966 bis 1967 war er sogar CDU-Vorsitzender und danach bis zu seinem Tod 1977 Ehrenvorsitzender der Partei.
Bislang wurde davon ausgegangen, dass Erhard zwar spät, dann aber doch noch der Partei beigetreten war. Nach einer in Personenarchiven und in deutschen Medien verbreiteten Version soll Erhard anlässlich seiner Wahl zum CDU-Vorsitzenden am 23. März 1966 in die CDU eingetreten sein, wobei der offizielle Beitritt um drei Jahre auf 1963 rückdatiert worden sei. “Ich glaube, das kann man so nicht mehr stehen lassen”, sagte Buchstab. Ein Aufnahmeantrag, der nach den Parteistatuten unverzichtbar ist, sei nicht gefunden worden. Nach Angaben von Wünsche wurde Erhard “wohl mal ein Mitgliedsbuch zugeschickt, unaufgefordert, aber das hat er nie unterschrieben”.
Im Archiv der Erhard-Stiftung befindet sich demnach eine vom CDU-Kreisverband Ulm ausgestellte “Mitgliedskarte” Ludwig Erhards, die aber erst am 2. August 1968 ausgestellt und auf den 1. März 1949 rückdatiert worden war. Die Felder für die Beitragsmarken sind nicht beklebt. Mit dieser Karte, die Erhard erst nach seiner Amtszeit als Parteivorsitzender zugeschickt worden war und die dem “Stern” in Kopie vorliegt, sollte offenbar nachträglich eine Legende für seine durchgängige Parteizugehörigkeit geschaffen werden. Ein Parteivorsitzender ohne gültige Mitgliedschaft wäre ein Kuriosum in der deutschen Parteiengeschichte. (AFP)