Merkel: Berlin laesst sich nicht erpressen!
19. März 2007 | Von Politics | Kategorie: CDUEinen Tag vor dem Fristablauf der Entführer zweier Deutscher im Irak hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Nachgeben der Bundesregierung ausgeschlossen.

Es müsse klar sein, “dass die Bundesregierung nicht erpressbar sein kann”, sagte Merkel nach einem Treffen mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai in Berlin. Zugleich machte Merkel deutlich, dass sie sich in der deutschen Strategie für den Wiederaufbau Afghanistans bestätigt sehe. “Die Erfahrung lehrt, dass wir sicherlich auf dem richtigen Weg sind”, sagte sie. (Foto: Axel Schmidt)
Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes arbeite weiter “auf Hochtouren” für eine Freilassung der Geiseln, sagte Merkel. Karsai bekräftigte, dass mit einem Nachgeben gegenüber den Geiselnehmern die Bedrohung nicht sinken, sondern wachsen würde. Die beiden Deutschen, eine 61-jährige Frau und ihr Sohn, waren Anfang Februar im Irak verschleppt worden. In einem im Internet veröffentlichten Video hatten ihre Entführer am Samstag vor einer Woche damit gedroht, die Geiseln zu töten, sollte die Bundesregierung nicht bis Dienstag einen vollständigen Abzug ihrer Soldaten aus Afghanistan beschließen und damit auch beginnen.
Zu dem in Afghanistan entführten Italiener Daniele Mastrogiacomo sagte Karsai: “Ich hoffe, dass die Angelegenheit heute gelöst wird.” Die Geiselnehmer des Journalisten der italienischen Zeitung “La Repubblica” hatten im Gegenzug für die Freilassung Mastrogiacomos und seines afghanischen Übersetzers gefordert, dass bis Montagabend ein drittes inhaftiertes Taliban-Mitglied freigelassen wird.
Das deutsche Mehr-Säulen-Konzept, das neben der Stationierung deutscher Soldaten in Afghanistan auch die Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte sowie entwicklungspolitische Zusammenarbeit vorsehe, habe sich bewährt, sagte Merkel. Allerdings könne noch manches für den Wiederaufbau des Landes getan werden. “Es muss zielstrebig weiter gearbeitet werden an den Infrastruktur-Projekten”, sagte die Kanzlerin. Insbesondere die Stromversorgung in Afghanistan müsse trotz schwieriger geografischer Bedingungen verbessert werden.
Karsai hob die Bedeutung internationaler Hilfe für den Aufbau seines Landes hervor. “Ohne die Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft wäre Afghanistan nicht da, wo Afghanistan heute steht”, sagte er. Der Bundesregierung dankte er für die Stationierung deutscher Soldaten sowie den geplanten Einsatz deutscher Tornados in seinem Land. (AFP)