Klaus Wowereit laesst es wieder krachen
14. März 2007 | Von Politics | Kategorie: SPDBerlin mag sexy sein, ist auf jeden Fall aber arm: Der Senat der ewig klammen Hauptstadt plagt sich gerade mit dem Haushalt, im fusionierten Bayer-Schering-Konzern stehen etwa 1000 Arbeitsplätze auf dem Spiel und um den Flughafen Tempelhof wird erbittert gestritten. Auch viele soziale Probleme harren weiter einer Lösung.

Martin Lindner von der oppositionellen FDP nennt das süffisant ein “luftiges Programm für einen luftigen Bürgermeister”. “Wowi lässt es wieder krachen”, titelt gar die hauptstädtische “B.Z.” am Mittwoch. Das schon abgelegt geglaubte “Partymeister”-Image Wowereits, er feiere zu viel und mache zu wenig praktische Politik, erlebt anscheinend eine Renaissance. (Foto: ddp)
So veröffentlicht die “B.Z.” Bilder, die einen gut gelaunten Regierungschef umgeben von allerlei Prominenz zeigen. Wowereit scherzt mit Schauspielerin Elke Sommer und Entertainer Thomas Gottschalk. Auf der Tafel feines Essen und roter Wein. “Cheers, hoch die Gläser!” spottet die Zeitung. In genüsslichen Details beschreibt sie, wie es sich der Regierungschef bei “Riesengarnelen in Knoblauch-Sahne-Sauce, das Rind zartrosa mit Kartoffelgratin, feinem Spargel und Bohnen” gut gehen lässt.
Das Blatt erhebt den Trip gleich zur “schönsten Dienstreise des Jahres”, nicht ohne anzumerken, dass die “offiziellen Feierlichkeiten zum Partnerschaftsjubiläum erst am Mittwoch” beginnen. Vorher habe Wowereit schon so wichtige Termine wahrgenommen wie eine Besichtigung der Riesenmetropole aus der Luft. Außerdem pflanzte er eine Kiefer zu Ehren von Ex-Präsident John F. Kennedy. Garniert ist der Bericht mit Wowereits fröhlichem Konterfei, wahlweise vor dem James-Dean-Gedenkstein oder im Cockpit eines Helikopters. Und auch eine Stippvisite bei Gouverneur Arnold Schwarzenegger stand auf dem Programm.
“Ist das wirklich dienstlich?”, fragt “Bild” besorgt. Auch diese Zeitung druckt Fotos des mit den Schauspielern Udo Kier und Jürgen Prochnow plaudernden Bürgermeisters. Auf einem anderen Bild lässt sich Wowereit von zwei strahlenden Frauen busseln. Das weckt Assoziationen zu einem ähnlichen Kuss-Schnappschuss. Im Jahr 2004 herzte Wowereit die Kabarettistin Désirée Nick auf der Aids-Gala und beschwor einen kleinen Skandal herauf. “Küssen gehört zum Regieren”, hatte er damals trotzig dagegengehalten.
Im Roten Rathaus, Wowereits Amtssitz, hält man sich diesmal mit Kommentaren zurück. Einziger Satz von Senatssprecher Michael Donnermeyer: “Das ist eine sattsam bekannte Berichterstattung.” (ddp)