Alt-Kanzler Schmidt hat keine Angst vor dem Tod

4. März 2007 | Von Politics | Kategorie: News


Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) hat sich in einem Cicero-Interview ungewöhnlich freimütig über persönliche Fragen geäußert.

„Nein, ich habe keine Angst vor dem Tod“, sagte der 89-jährige dem Politikmagazin (Märzausgabe). Auch während des zweiten Weltkrieges sei dies seine Haltung gewesen. „Ich hatte Angst vor der sowjetischen Gefangenschaft, ich hatte Angst vor einer schweren Verwundung – aber Angst vor dem Tod spielte eigentlich keine Rolle. Hauptsache, es ging schnell und schmerzlos. So war die Einstellung der Soldaten“, sagte Schmidt. Außerdem habe man desto weniger Angst, je älter man werde. Die Vorstellung des Todes sei für ihn „nicht merkwürdig, sondern biologisch normal“.

Der Alt-Kanzler ließ zugleich eine wachsende Distanz zum Christentum erkennen. Er glaube „schon“ an Gott, „wenn auch etwas weniger als früher“. Nach seinem Ausscheiden aus öffentlichen Ämtern habe er ein bisschen mehr Muße gehabt, um sich in andere große Religionen zu vertiefen: „Heute will mir scheinen, als ob die Vorstellungen von Gott alle von den Menschen ersonnen worden sind, je nachdem in welchen Kulturen und Verhältnissen sie gelebt haben“.

Schmidt fügte hinzu: „Es gibt gemeinsame Grundüberzeugungen in der heutigen Gesellschaft, die unabhängig sind von der Religion.“ Menschenrechte oder die Demokratie kämen in den christlichen Lehren nicht vor, auch nicht in den islamischen Lehren und auch nicht bei Konfuzius. „Sie sind eine Errungenschaft der europäischen und nordamerikanischen Aufklärung“, betonte Schmidt.

Zitate/Schmidt

„Nein, ich habe keine Angst vor dem Tod.“
Alt-Kanzler Helmut Schmidt (SPD) im Politikmagazin Cicero - Märzausgabe

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