Zur besseren Terrorbekämpfung haben Bund und Länder nach jahrelangen Debatten eine gemeinsame Anti-Terror-Datei geschaffen und sie zunächst mit rund 15 000 Datensätzen über 13 000 Personen ausgestattet. In Berlin gab Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Datensammlung am Freitag offiziell frei.

Während die Sicherheitsbehörden die Datei begrüßten, warnte der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar vor falscher Sammelwut und der unkontrollierten Speicherung von Kontaktpersonen. “In den USA erleben wir gerade, dass wohl an die 400 000 Personen in solchen Dateien gespeichert werden und viele Unschuldige darunter sind. Es kommt vielfach zu Verwechslungen. Das sollte man hier doch sehr vermeiden.” (Foto: ddp)
Schäuble wies den Vorwurf eines mangelnden Datenschutzes zurück. Das System habe einen “maßgeschneiderten” Datenschutz, der “kein Feigenblatt” sei, betonte er. So seien nur die Grunddaten für alle beteiligten Behörden einsehbar. Weitergehende Informationen müssen zum Schutz geheimdienstlicher Quellen direkt von der jeweiligen speichernden Behörde abgerufen werden, die diese dann aktiv freigibt.
Nach Angaben von BKA-Chef Jörg Ziercke konzentriert sich die Anti-Terror-Datei in einem ersten Schritt auf Namen des islamistischen Terrorismus. Das seien derzeit rund 13 000 Personen, von denen ein Viertel in Deutschland lebt. Doch sei nur ein “kleiner Teil” dieser Gruppe als “akute Gefährder” einzustufen. In einer zweiten Phase sollen laut Ziercke weitere Daten zum internationalen Terrorismus hinzugefügt werden.
Datenschützer hatten im Vorfeld die Sammlung als problematisch eingestuft. Schäuble entgegnete, die Sicherheit des Staates habe genauso Verfassungsrang wie der Schutz des Einzelnen. Aus Sicht der FDP muss sich in der Praxis erweisen, ob ein “verantwortungsvoller Umgang der Behörden” mit den sensiblen Anti-Terror-Daten realisiert werden kann.
Lob für die Datei kam derweil von Polizei und Kriminalpolizei. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, sagte, diese Sicherheitslücke der getrennten Informationen hätte auch in Deutschland im Ernstfall zu großen Problemen führen können. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter fügte hinzu, mit dem Start sei nicht alles getan. Verbandschef Klaus Jansen mahnte ein weitergehendes finanzielles Engagement der beteiligten Ministerien an.
Der Aufbau der Datei hat Schäuble zufolge 15,3 Millionen Euro gekostet, von denen der Bund rund zwei Drittel trägt. Für den Weiterbetrieb wird mit jährlichen Technikkosten von einer Million Euro sowie mit Personalkosten in Höhe von 5,4 Millionen Euro gerechnet.
Bereits Ende 2004 hatten Bund und Länder ihre Terrorabwehr im Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) in Berlin zusammengefasst, zu dem seit Jahresbeginn auch das Gemeinsame Internet-Zentrum (GIZ) gehört. Dort arbeiten Spezialisten des BKA und des Verfassungsschutzes mit dem Bundesnachrichtendienst (BND), den Kriminal- und Verfassungsschutzämtern der Länder, der Bundespolizei, dem Zollkriminalamt und dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) zusammen. Im GTAZ arbeiten derzeit rund 200 Anti-Terror-Spezialisten. (ddp)
Bundesinnenminister Terrorbekaempfung Wolfgang Schaeuble


